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2004-03-01 | REGJO I/2004
Nächster Halt: Kirchendach Die St. Martini-Gemeinde in Braunschweig will den 800 Quadratmeter großen Dachstuhl ihrer Kirche öffentlich zugänglich machen. In bester Innenstadtlage treffen Glaube und Wirtschaft aufeinander.
Braunschweig 2007: Ein gläserner Fahrstuhl hält oben am Kirchturm. Menschen strömen aus der Kabine hinein in den Glaskubus im Dachstuhl der Martinikirche. Dort nehmen sie an Seminaren teil, feiern Hochzeit oder Taufe, konferieren mit Geschäftspartnern, lauschen Konzerten.
Das ist Pastor Friedhelm Meiners Vision von seiner Kirche. An ihrer Entwicklung arbeitet seit März 2003 ein 20-köpfiges Team, dem der Kirchenvorstand und externe Fachberater angehören. Unter dem Namen ,Martini plus' sucht die Kirchengemeinde nach einem neuen Umgang mit der Gesellschaft, nach einem unverwechselbaren Profil, das die Zukunft des Hauses langfristig sichert. Vorbilder für die Öffnung von Gotteshäusern gibt es in Deutschland einige, beispielsweise die Berliner Umweltkirche. Hier finden neben den Heiligen Messen auch Umweltmessen statt. Eine ähnliche Entwicklung ist auch für St. Martini am Altstadtmarkt denkbar. "In der Partnersuche sind wir offen", sagt Kay-Uwe Rohn vom Steuerkreis ,Martini plus´. "Wir suchen ein Unternehmen, das thematisch weit von der Kirche entfernt sein kann, um den Spannungsbogen so groß wie möglich zu schlagen. Das könnte etwa ein. Finanzunternehmen mit einer Außenstelle im Kirchendach sein oder eine Gesundheitsagentur. Wenn der Partner bereit ist, finanziell zum Projekt beizutragen, um so besser."
Die Kirche auf diese Weise zu öffnen wäre noch vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen. Aber, "wenn die Kirche leben will, muss sie neue Wege gehen", sagt Pastor Meiners. Das sehen Kirchenvorstand und viele Gemeindemitglieder ebenso. Auch die Landeskirche ist interessiert an dem Vorhaben.
Professionelles Marketing soll das neue Selbstverständnis der Martini-Gemeinde ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Regie für die gesellschaftliche Neupositionierung führt Rohn, der in den zurückliegenden 20 Jahren als Mitgesellschafter des Braunschweiger Unternehmens wir design. erfolgreich Identitäten entwickelt und vermarktet hat.
Formgeber des neuen Lebens unterm Kirchendach ist das Braunschweiger Architekturbüro O.M. Architekten. Geschäftsführer Rainer Ottinger kennt sich aus mit der Polarität zwischen Alt und Neu. Vor kurzem hat er das älteste Haus Peines, den ,Weißen Schwan', umgebaut. Seine Vorstellungen für St. Martini bestehen aus Glas, Holz und viel Licht. Ein Glaskubus mit sechs angedockten Holzkuben soll im Dachgebälk eingepflanzt werden, erreichbar durch einen gläsernen Fahrstuhl an oder in einem der Kirchtürme. Der eigentliche Kirchenraum bleibt davon unberührt.
Braunschweig 2004: Um den Großteil der Umbaukosten von etwa einer Million Euro zu finanzieren, zentralisiert die St.-Martini-Gemeinde Verwaltung und Gemeindeleben. Außerdem sucht sie nach einem Partner. Baurechtliche Details wie Fluchtwege und Brandschutz stehen vor der Klärung. Danach soll der Bauantrag gestellt werden, um das Projekt wahr werden zu lassen. Text: Sabine Karge
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